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8.04.05 Rotweissrot im Grenzbereich

 

Vorschau 2005: Wo abseits der Formel 1 österreichische Piloten auf den Rundstrecken dieser Welt kreisen. (von Ad Raufer)


Während die Formel-I-Saison bereits drei Rennen alt ist, starten auch die einer breiteren Öffentlichkeit weniger bekannten Rennserien ins neue Motorsportjahr. So auch die FIA-GT-Championship, die an diesem Wochenende in Monza mit dem ersten von insgesamt elf Läufen das Auftaktrennen erlebt. Kenner der Szene klassifizieren die GT-Meisterschaft längst als Top-Serie: Atemberaubend schöne Autos (Ferrari 550 Maranello bzw. 575 GTC, Chevrolet Corvette C5-R, Saleen S7-R, Maserati MC 12, Lamborghini Murcielago GT, Porsche 996 GT3-RSR), spannende Rennen, offene Fahrerlager, weder Spanische Wände noch mannshohe Gitterzäune und Fahrer, die noch Zeit haben, den Fans Autogramme zu schreiben - das kommt an. Bei denen, die fahren, und auch bei denen, die zuschauen.

Ein absolutes Dreamteam - nicht nur aus österreichischer Sicht - bilden Karl Wendlinger und Philipp Peter. Beide fahren unter der Flagge des in Nizza beheimateten Teams von Jean-Michel Bouresche (JMB) einen Maserati MC 12. Während der 36-jährige Kufsteiner (GT-Weltmeister 1999) bereits im Vorjahr für die Franzosen ins Lenkrad gegriffen hat, kehrt der in Lugano lebende Peter nach einem Gästspiel beim italienischen Team GPC Squadra Corse zu Bouresche zurück. Keine schlechte Wahl: JMB gilt als abolutes Top-Team, anderseits ist der „Masi" genau jenes Auto, das man in der GT-WM haben muss, um realistische Chancen auf Gesamtsiege (und damit natürlich auf den Titel) zu haben.

Weniger klar ist die Situation beiden Lechner-Brüdern. Ziemlich sicher ist, dass Walter jr. eine weitere Saison bei Konrad-Motorsport absolviert und im Team des gebürtigen Österreichers wieder einen Saleen S7-R fährt. Der junge Salzburger hat wegen seines unglaublichen Speeds einen sagenhaften Marktwert im GT-Sport und gilt deshalb als gefragte Fahrerpersönlichkeit. Als Teamkollegen wünscht sich Junior-Lechner den goscherten, aber anerkannt schnellen Deutschen Ex-DTM-Piloten Uwe Alzen. Sollte das nicht funktionieren, „würd' ich am liebsten mit meinem Bruder Robert fahren." sagt Lechner. Beide haben für Konrad getestet, beide knallten bei den Tests in Oschersleben Fabelzeiten hin, weswegen Konrad heilfroh wäre, beide Salzburger, die über viel Talent, aber einen dünnen finanziellen Background verfügen, in seinem Team zu haben. Fix dagegen ist, dass erstens Robert Lechner die 24 Stunden auf dem Nürburgring auf einer von Zakspeed vorbereiteten und eingesetzten Chrysler Viper GT-R fährt und zweitens, dass das Lechner-Team fünf GT3 im Porsche Supercup einsetzt.

Apropos Porsche: Richard Lietz, 2Q04 im deutschen Porsche Carrera Cup höchst erfolgreich mit dem Gewinn der Rookie-Wertung unterwegs, wechselt in den internationalen Super Cup, wo er für To-limit-Motorsport alle der traditionell im Rahmen der For¬mel I ausgetragenen Rennen fahren wird. Tolimit-Teamchef Hans-Bernd Kamps: „Richard hat voriges Jahr nicht nur mit guten Ergebnissen» sondern auch mit seinem Auftreten voll überzeugt."

Entgegen immer wieder gehegten Absichten die Rennerei an den Nagel zu hängen, kann's der Wiener Unternehmer Manfred Jurasz doch nicht lassen - und hängt eine weitere Saison in der GT-WM an. Jurasz fährt für das aus dem niederösterreichischen Neunkirchen stammende Team von Sepp Renauer und startet in der Kategorie GT2 auf einem Porsche 996 GT3.

Einen ganz anderen Weg indes geht das viel versprechendste Talent im Formelsport, Norbert Siedler. Siedler hat in den USA bei Tests in Homestead (Florida) für das Champ-Car-Team von Derrick Walker einen derart sensationellen Eindruck hinterlassen, dass ihn Walker vom Fleck weg engagieren wollte. Weil ab er rund eine halbe Million Euro gefehlt hat, ist es aus dem Deal doch nix geworden. Statt in Amerika fährt der Tiroler nun in Europa und parkt seine Ambitionen in der Formel-3000-Pro-Series. Immer mit einem Auge nach Amerika schielend, wo er hofft, doch noch - als erster Österreicher überhaupt - in der Champ-Car-Serie unterzukommen.