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17.10.04 Mit dritter Batterie auf den dritten Rang
Beim Sechs-Stunden-Rennen im tschechischen Brunn fährt Wolfgang Kaufmann mit seinen Teamgefährten trotz vermeidbarer technischer Probleme erneut aufs Podium. Dauer-Duell des Porsche-Fahrers aus Molsberg mit dem Kiesbett-Mercedes
BRÜNN. Technische Probleme, die den Rennfahrer schon die ganze Saison über begleiten, blieben Wolfgang Kaufmann „treu", doch am Ende des Sechs-Stunden-Rennens von Brunn sprang für den Westerwälder erneut ein Podiumsplatz heraus.
Die tschechische Rennstrecke von Brünn scheint ein gutes Pflaster für den Molsberger Wolfgang Kaufmann zu sein. Unvergessen ist sein erster Formel 3-Sieg im Jahre 1988, als der komplett entnervte spätere Meister Joachim Winkelhock ihn nach dem Rennen (!) im Parc Fermé absichtlich rammte. Ganzfrisch jedoch - wir berichteten - ist die Erinnerung an seinen dritten Platz beim Drei-Stunden-Rennen vor 14 Tagen bei der nationalen tschechischen Langstreckenmeisterschaft. Schließlich bedeutete dies das Ende seiner unglaublichen Pechsträhne mit der erst zweiten Zielankunft beim zwölften Rennen in der diesjährigen Saison.
Was würde Rennen Nummer 13 bringen? Unglückszahl? Mitnichten, am Ende sprang Rang drei heraus. Doch Kaufmann-typisch ging es nicht ohne Nervenkrieg.
Der schnelle Westerwälder stellte: den Renauer-Porsche 996 GT 3-RS zunächst auf einen sauberen dritten Startplatz: „Ich war Drittschnellster sowohl im Qualifying als auch in der Super-Pole, wo man ja nur eine Runde zur Verfügung hat. Gegen die beiden DTM-Mercedes hatte ich naturgemäß keine Chance. Jedoch habe ich die vier weiteren GT 3-Porsche im Griff gehabt", so Kaufmann vor dem Rennen. „Ein Sechs-Stunden-Rennen ist lang. Vielleicht können wir ja zumindest einen DTM-Mercedes auf die lange Distanz hin ärgern."
Und siehe da: Bereits in der Startrunde sorgte Wolfgang Kaufmann für eine faustdicke Überraschung, als er auf regennasser Piste einen Mercedes überrumpelte und die zweite Position übernahm. Doch dies war nur ein kurzes Intermezzo. „Das war richtig nach meinem Geschmack und hat mir einen Heidenspaß bereitet. Aufgrund der Nässe war alles recht heikel. Es war mir jedoch klar, dass ich gegen die beiden Mercedes keine Chance haben würde. Aber ein bisschen ärgern darf doch wohl noch erlaubt sein", beschreibt Kaufmann sein Wechselbad der Gefühle. „Vier Runden später musste ich ihn wieder ziehen lassen. Doch ich hielt während meines Startturns den Druck aufrecht. Auf einmal traute ich kaum meinen Augen. Da steckte doch das Auto mit dem Stern nach einem Ausrutscher satt ihm Kiesbett! Das war unsere Chance auf Platz zwei. Ich fuhr noch konzentrierter und noch härter. Doch ich musste gewaltig aufpassen, denn der Porsche war im Nassen auf der Hinterachse ungewöhnlich nervös und instabil. Nach einer dreiviertel Stunde bin ich zum ersten Mal zum Tanken und habe risikofreudig auf Dunlop-Slickreifen gewechselt, obwohl die Piste noch nicht richtig trocken war. Ich war nun richtig scharf auf Rang zwei. Nach dem Wechsel auf Trockenreifen gab es einige heiße Momente, doch als der Asphalt immer mehr abtrocknete, löste sich auch mein Handling-Problem an der Hinterachse in Wohlgefallen auf", präsentierte sich Kaufmann in gewohnter Kämpferlaune.
Seine beiden Teamkollegen Petr Valek (CZ) und Manfred Juracz (A) zeigten sich gegenüber dem ersten Brünn-Rennen fahrerisch stark verbessert und konnten die zweite Position halten. „Eine Stunde und fünfzehn Minuten vor dem Rennende bin ich wieder ans Steuer. Der Kiesbett-Mercedes befand sich auf Aufholjagd und ich musste mich lang machen. Ich saß keine drei Runden im Auto, da ging die Kontroll-Leuchte der Lichtmaschine an. Ich wollte es nicht wahr haben, aber Leuchten lügen nicht", schildert Kaufmann den späten Schreck. „Über Bordfunk habe ich meine Box informiert und diesen dann unmittelbar abgeschaltet. Auch andere Verbraucher wie zum Beispiel das Gebläse habe ich ausgeschaltet. Ich habe auch erst sehr spät das Fahrlicht eingeschaltet, doch die Batteriespannung ging immer mehr in den Keller. Schließlich ist die Servolenkung ausgefallen, da war noch eine halbe Stunde zu fahren. Ich musste zur Box und eine neue Batterie auffassen. Ich bin wieder raus und war sehr überrascht, dass wir immer noch vor dem Kiesbett-Mercedes lagen. Doch die neue Batterie hat dramatisch abgebaut. Eine Viertelstunde vor Schluss war ich wieder an der Box, um Batterie Nummer drei einbauen zu lassen. Somit war Rang zwei endgültig futsch. Ohne technische Schwierigkeiten scheint es in diesem Jahr nicht zu gehen. Aber wir standen auf dem Siegerpodest, was einen immer erfreut. Gut, dass das Rennen nicht länger gedauert hat, sonst wären uns die Batterien ausgegangen", zeigte Kaufmann seine humorvolle Seite.
Weniger zu lachen gab es anschließend bei der Fehleranalyse der technischen Schwierigkeiten. Die Handlings-Probleme im Nassen beruhten darauf, dass sich auf der Hinterachse zwei unterschiedliche Reifenmischungen befanden. Und die Batteriewechsel-Orgie hätte man sich auch sparen können, denn an der intakten Lichtmaschine war lediglich ein Kontaktstecker heruntergefallen!
Der Porsche 996 GT 3-RS ist für das österreichische Renauer-Motorsport-Team noch ein unbekanntes Wesen. Kein Wunder, beim erst zweiten Renneinsatz.
Emerson W.Dilcher


