Presse

1.04.05 Kaufmann: „Wollen zeigen, was wir können“

 

Molsberg. Wolfgang Kaufmann, Motorsportler aus Molsberg, ist auch in der vergangenen Saison durch alle Höhen und Tiefen eines Rennfahrerlebens gegangen. Im zweiten Teil des Interviews, das unser Mitarbeiter Emerson W. Dilcher mit dem Motorsport-„Verrückten" aus dem Westerwald führte, spricht Wolfgang Kaufmann unter anderem über seine neuen Kontakte zum Porsche-Team A, über das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring und der Start in Silverstone.


NNP: Um welches Projekt handelt es sich bei dem von Ihnen angesprochenen neuen Rennstall, und wie kam der Kontakt zu Stande?

Kaufmann: Die Verbindung zu dem komplett neuen Porsche-Team A:Level Engineering besteht eigentlich schon seit längerem. Die Verantwortlichen des Teams wissen, dass der Kaufmann eine Menge Erfahrung speziell mit Porsche-Rennfahrzeugen und auch mit der Turbo-Technologie besitzt. Wir haben uns dann einmal am Firmensitz in Adenau am Nürburgring zusammengesetzt und sind uns relativ schnell einig geworden, dass wir gemeinsam ein komplett neues Projekt auf die Beine stellen wollen. Es ist für mich nach wie vor eine enorme Herausforderung und Freude, den Aufbau eines neuen Teams als Fahrer maßgeblich mitzugestalten. Es ist eine sehr professionelle Truppe mit Leuten, die wirklich Know-how besitzen. Da haben einige schon in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, im GT-Sport, an Le-Mans-Projekten und sogar für Toyota in der Formel 1 gearbeitet. Ich habe noch niemals ein Auto gesehen, was wirklich so scharf und so mega professionell aufgebaut wurde. Es ist der erste 996er-Turbo-Porsche, der mit Kohlefaserbremsen ausgestattet ist. Auch von der Aerodynamik und vom Handling her befindet sich das Auto bereits auf einem sehr beachtlichen Niveau. Wir wollen zeigen, was wir können. Wie ehrgeizig das Projekt wirklich ist, sieht man schon daran, dass der belgische Ex-Formel-1-Pilot Eric van de Poele 2004 mein Teamkollege war.

NNP: Das hört sich verdammt optimistisch an. Aber die Realität sieht anders aus. Sie haben tatsächlich zwei Rennen bestritten. Rennen ist jedoch übertrieben, denn Sie sind eigentlich nicht in die Strümpfe gekommen!

Kaufmann: Wir haben zunächst viele Funktionstests und auch kleinere Fahrtests unternommen. Die A:Level Engineering-Truppe macht praktisch alles selber und baut somit auch die Motoren selbst auf. Die ganzen Tests auf dem Prüfstand waren sehr gut und viel versprechend auch in Bezug auf die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit der Turbo-Aggregate. Bei unserem ersten 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring im Rahmen der Le-Mans-Endurance-Serie (LMES) war uns schon klar, dass hier und da gewisse Probleme auftauchen könnten, da der Porsche noch nie über eine Renndistanz ausgeführt worden war. Ich persönlich hätte jedoch nie gedacht, dass wir Probleme mit dem Motor bekommen könnten. Es ist zwei Mal völlig unerwartet das gleiche Problem vor dem Qualifying und auch unmittelbar vor dem Start aufgetaucht So genannte kleine Froststopfen - im übrigen original Porsche-Teile -, die im Zylinderkopf platziert sind, sind herausgedrückt worden. Somit ist Kühlwasser ins Motoröl gelangt. Das verträgt der beste Porsche-Motor nicht. Statt in die Startaufstellung bin ich in die Boxengasse gerollt, um ursprünglich einen gebrochenen Stabilisator an der Vorderachse tauschen zu lassen. Dabei haben die Mechaniker festgestellt, dass aus dem Überlaufbehälter schon wieder ein Gemisch aus Öl und Wasser herausläuft. Somit war unser Premierenrennen beendet, bevor es eigentlich losging.

NNP: Das genannte Problem wurde sicherlich aussortiert und Sie sind mit frischem Mut zum nächsten Rennen nach Silverstone gereist. Aber auch das Wochenende verlief nicht gerade sehr aufbauend. Kaufmann: Nach dem Nürburgring-Rennen haben wir sehr viel getestet. Wir waren in Dijon, in Hockenheim und mehrmals auf dem Nürburgring. Das Motormanagement und das Ansprechverhalten des Bi-Turbos ist dabei um Welten besser geworden, und wir sind hoch motiviert nach England gefahren.

Die beiden freien Trainingssitzungen sind tadellos verlaufen. In der GTS-Klasse sind Eric van de Poele und meine Wenigkeit die meisten Runden gefahren. Es gab keinerlei technische Probleme. Was uns allerdings extrem eingebremst hat und sehr nachdenklich gestimmt hat, war die unumstößliche Tatsache, dass uns auf den Geraden bei der Höchstgeschwindigkeit rund 15 Kilometer pro Stunde gefehlt haben. Das war ein mittlerer Schock und hat zu heftigen Diskussionen geführt, mit dem Ergebnis, noch vor dem Qualifying das gesamte Equipment einzupacken. Die Teamleitung wollte gegenüber den Regle¬mentmachern ein deutliches öffentliches Exempel statuieren.

NNP: Wie ist das zu verstehen?

Kaufmann: Es geht wieder einmal um politische Spielchen und undurchsichtige Rangeleien hinter den Kulissen. Die Verantwortlichen von A:Level Engineering verspüren keinerlei Lust, ihr Team und auch die Piloten zu verheizen. Dafür wurde bereits zu viel Geld und zu viel aufwendige Arbeit in das Projekt investiert. Wir wollen keinerlei Vorteile vom Reglement, aber wir pochen unmissverständlich auf Chancengleichheit. Es geht um die Einstufung des Turbo-Porsches, speziell um die Festlegung des Ladedrucks und die Größe des Luftmengenbegrenzers. Bereits zu Saisonbeginn hatte man sich mit den technischen Kommissaren auf entsprechende Eckdaten geeinigt. Doch seltsamer Weise wurden diese unmittelbar vor unserem Premierenrennen auf dem Nürburgring abgeändert. Da haben die Mitkonkurrenten mächtig Einfluss in eigener Sache ausgeübt. Silverstone hat dann gezeigt, dass wir in dieser Konfiguration chancenlos sind. Wenn man überhaupt im internationalen Langstreckensport einen attraktiven, konkurrenzfähigen und privat eingesetzten Porsche haben möchte, dann müssen die technischen Rahmenbedingungen auch fair abgesteckt sein.

NNP: Apropos, Reglement und Turbo-Porsche. Da gibt es doch noch eine weitere unglaubliche PSI-Geschichte.

Kaufmann: Wieth-Racing wollte eigentlich die 24 Stunden von Spa-Francorchamps bestreiten. Nach langem Hin und Her ist daraus aus Budgetgründen nichts geworden. Die Absage kam reichlich spät, am Dienstag vor dem Rennen. Ich hatte den Braten aber bereits gerochen und befand mich mit PSI-Racing in intensiven Verhandlungen. Dieses belgische Team bestreitet erfolgreich die nationale und französische GT-Meisterschaft und war heiß auf das nationale motorsportliche Großereignis in Spa. Sie wollten zwei Turbo-Porsche 996 einsetzen, wobei einer brandneu aufgebaut worden war. Ein Auto sollte mit Gentlemen-Drivers laufen und das andere mit richtigen Brennern. Es waren im Vorfeld die Rahmenbedingungen zum Beispiel bezüglich Gesamtgewicht, Tankgröße, Ladedruck und Größe des Air Restrictors festgelegt worden. Wenige Tage vor dem Rennen ging's dann los. Das Auto sollte auf einmal mit einem erheblich kleineren Air Restrictor fahren. Da hat sich der Teamchef verständlicherweise quer gelegt, da das komplette elektronische Motormanagement abgestimmt war. Nachdem dies gestorben war, sollte man 100 Kilo zupacken. Da hat der Boss gesagt: „Sorry, machen wir nicht. Keine fünf Kilo. Das ist gegen die Absprache!" Das Ergebnis des ganzen Hickhacks war, dass wir letztendlich nicht gefahren sind.

Im dritten und letzten Teil unseres Interviews spricht Wolfgang Kaufmann über das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und das FIA-GT-Championat.