Presse
10.05.05 Geteiltes Leid ist dreifaches Leid
Wolfgang Kaufmann beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring ohne Fortune aber mit Vorfreude auf Hockenheim.
Die 33. Auflage des deutschen Langstreckenklassikers wurde zum Triumphzug des Schnitzer-BMW-Werksteams. Die internationale Fahrerpaarung Lamy (P)/Said (USA) /Duncan Huisman (NL) und Priaulx (GB) siegte beim letzten Renneinsatz des BMW M3-GTR vor ihren deutschen Markenkollegen Dirk und Jörg Müller und Hans-Joachim Stuck. Die Schnitzer-BMW-Truppe wiederholte somit ihren Doppelsieg aus dem Vorjahr – ein Novum in der Geschichte der 24 Stunden Nürburgring! Die Sieger legten bei dem Wettlauf zweimal um die Uhr 139 Runden bzw. exakt 3527,542 km zurück. Für den Molsberger Rennfahrer Wolfgang Kaufmann war nach einer Renndauer von noch nicht einmal zehn Sekunden (!) und einer Renndistanz von knapp 300 Metern (!) der Fisch gegessen. In der allerersten (!) Kurve drehten sich Markus Grossmann (Chrysler Viper) und Nissan Skyline-Pilot Roland Asch. Kaufmanns Teamkollege und Rennstallbesitzer Peter Mamerow konnte nicht mehr ausweichen und berührte die Viper. Die drei Herrschaften ignorierten die alte Rennfahrer-Weisheit, wonach ein Rennen – und wir reden hier von einem 24h-Rennen - in der ersten Kurve nicht gewonnen werden kann, recht nachhaltig. Der Motorkühler am Mamerow-Porsche 996 GT3-RS musste getauscht werden. Gut und gerne 30 Minuten strichen in´s Land und unter 217 gestarteten Teams fand man sich auf der wenig erbaulichen 207. Position wieder. Das Rennen war verloren, bevor es anfing! Nach erfolgter Re-peratur verbesserte sich Wolfgang Kauf-mann auf den sehr ehrenwerten 142. Rang. Dann machte der dritte Pilot Christian Mamerow eine sehr leidvolle Erfahrung mit den typischen Eifel-Wetterkapriolen. Mit Slicks unterwegs wurde Mamerow jr. im Bergwerk von einer satten Regenschauer überrascht. Bergwerk ist übrigens jener Streckenabschnitt, wo Niki Lauda einst im Jahre 1976 bei seinem weltberühmten Feuerunfall seine Haltevorrichtung für Sehhilfen definitiv ruinierte. Nach Leitplankenkontakt war auch der Mame-row-Porsche halbwegs ruiniert. Der frisch eingebaute Kühler musste erneut getauscht werden, der Heckflügel wurde repariert und die hintere Spur neu eingestellt. Zeitaufwand eine knappe dreiviertel Stunde. Am Ende der 4. Rennstunde fand man sich an der tollen 187. Stelle wieder. Nach dem Motto „Was meine Teamkollegen können, kann ich schon lange!“ sorgte Wolfgang Kaufmann für das endgültige Aus: „Vor der Rechtskurve Hocheichen bin ich auf ein deutlich langsameres Opel Astra Coupe aufgelaufen. Ich bin links dran vorbei und hatte das Über-holmanöver gedanklich schon abgehakt, als ich hinten rechts einen leichten Schlag verspürte. Und schon ging die Post ab in Richtung Leitplanken.“ Dort zerbröselte die rechte hintere Radaufhängung und die Hoffnung auf eine Zielankunft! Alle drei Piloten wurden in Kollisionen und Abflüge verwickelt, wie sie für dieses 24h-Rennen typischer nicht sein konnten. Zu viele unterschiedlich schnelle Autos auf zu engem Raum, unberechenbare Wettereskapaden und unerfahrene Fahrer, die mit einem Rückspiegel nichts anfangen können. Somit entfielen unterschwellige oder gar offene Schuldzuweisungen innerhalb des Mamerow-Fahrertrios. Allerdings wurde wieder einmal überdeutlich, dass Wolfgang Kaufmann vom Rennfahrerglück hartnäckig ignoriert wird. „Es war schon bitter. Im Zeittraining standen wir easy auf dem 10. Startplatz. In der Phase, wo es richtig geregnet hat, war ich sogar Viertschnellster. Der Mamerow-Porsche war exzellent vorbereitet und absolut konkurrenzfähig. Und nach zehn Sekunden war praktisch fast alles vorbei. Unglaublich!“ Am Pfingstsamstag hofft der Westerwälder auf mehr Rennfahrerfortune. Beim Tuner-GP auf dem Hockenheimring will der vierfache Titelträger auf einem Gemballa-Porsche erneut die Konkurrenz hinter sich lassen.
Emerson W. Dilcher


