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14.05.04 Im gelben Saleen S 7 R über den Hockenheim-Ring

 

Wolfgang Kaufmann aus Molsberg startet beim FIA-GT-Lauf im badischen Motodrom für das Graham Nash-Motorsport-Team


MOLSBERG. Schon mal etwas von Kimi Räikkönen gehört? Der amtierende Formel 1-Vizeweltmeister befindet sich derzeit im Jammertal der Tränen. In der letzten Saison war der fliegende Finne nach fünf Rennen stolzer WM-Leader und verfügte über satte 32 Punkte.

Derzeit weist sein Punktekonto einen mageren Zähler auf. Die einst stolzen Silberpfeile sind zu schlappen Stotterpfeilen mutiert. Nicht besser ergeht es zur Zeit dem Formel-1-Piloten Nick Heidfeld oder Heinz-Harald Frentzen in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft.

Ein anderes interessantes Beispiel für das hochkomplexe Beziehungsgeflecht Mensch und Maschine ist Wolfgang Kaufmann. Der Rennfahrer versucht seine motorsportlichen Gelüste im FIA-GT-Championat auszuleben. Von Lust kann derzeit jedoch nicht die Rede sein. Drei von elf Wertungsläufen sind bestritten, und Kaufmanns Zukunft ist unsicher.

Beim Saisonauftakt in Monza wurde der Wieth-Ferrari 550 Maranello von Kaufmann überhaupt nicht zum Start zugelassen, da eine nicht den Regeln entsprechende Lenkungseinheit erst neu in das Fahrzeug eingebaut war. Im spanischen Valencia brach zunächst ein Unibalgelenk an einem Radträger der Hinterachse. Nach durchgeführter Reparatur erfolgte der endgültige technische Knockout aufgrund von abgescherten Antriebswellenschrauben.

Im französischen Magny Cours sah man zwar mit mehrfachem Rundenrückstand die Zielflagge, doch die Wieth-Truppe hinkte der Konkurrenz gnadenlos hinterher. Kritik am eigenen Team machte Kaufmann trotz des unbefriedigenden Saisonverlaufs nie öffentlich.

Am vergangenen Wochenende bestritt der Westerwälder dann für das japanische Kaneko-Office-Racing-Team auf einem Porsche 996 GT 3-RSR in Monza den Saisonauftakt in der neu ins Leben gerufenen LMES-Langstrecken-Meisterschaft, bei der die traditionsreichen 1000 km-Rennen wiederbelebt werden sollen. Doch auch hier war nach lediglich vier Runden das Rennen für Kaufmann gelaufen, bei dessen Fahrzeug ein zentraler Felgenstern gebrochen war.

An diesem Wochenende steigt nun der vierte FIA-GT-Wertungslauf im badischen Motodrom zu Hockenheim. Nicht am Start sein wird Wieth-Racing, die ihren einzigen existierenden Ferrari 550 Maranello bei einem zeitgleichen Lauf zur französischen GT-Meisterschaft einsetzen werden. Das heißt aber nicht, dass Kaufmann die Hände tatenlos in den Schoß legen wird. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem amerikanischen Rennstall Graham Nash wird der Rennfahrer nun auch in Hockenheim an den Start gehen. Zwar wollte der Rennstall zunächst Geld sehen für ein Engagement, doch da gab es selbst für den in dieser Saison arg gebeutelten Kaufmann eine Schmerzgrenze. Wenngleich man nach dem bisherigen Saisonverlauf das Wort Schmerzgrenze wohl neu definieren muss.

Emerson W. Dilcher