Presse
2.04.05 „Mein Blick richtet sich nach vorn“
Molsberg. Kaum einer kennt sich in der Welt des Motorsports so gut aus wie Wolfgang Kaufmann. Der Molsberger hat viel zu erzählen, von Höhen und vor allem von ganz tiefen Tiefen. Im dritten Teil des Interviews, das unser Mitarbeiter Emerson W. Dilcher mit dem Westerwälder Rennsportler geführt hat, spricht Wolfgang Kaufmann unter anderem über das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und das FIA-GT-Championat.
NNP: Um den Frust perfekt zu machen: Wie lief es denn beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring?
Kaufmann: Toll, einfach toll! Ich bin mit zwei verschiedenen Fabrikaten, einer brandneuen Raffey-Daimler-Chrysler-Crossfire und einem Porsche 996 GT3-RS von Harald Grohs angetreten. Eine Zielflagge habe ich nicht gesehen, denn bei wirklich kritischen Verhältnissen, sprich: typischem heftigen Eifelregen, wurden beide Fahrzeuge von Teamkollegen in den Leitplanken kalt verformt. Es war schon reichlich traurig. Denn mit dem Grohs-Porsche lagen wir unter den Top Ten, als er um Mitternacht mit Slicks unterwegs auf dem Weg zur Fuchsröhre plötzlich von der patschnassen Straße gespült wurde.
NNP: Nach all den genannten Nackenschlägen müssten Sie eigentlich therapiereif sein. Aber gottlob gab es in 2004 auch zwei, drei Erfolgserlebnisse. Sie haben mit dem Nash-Saleen im FIA-GT-Championat zwei Mal mächtig aufhorchen lassen und mit einem Gemballa-Porsche erneut souverän den Tuner-GP gewonnen!
Kaufmann: Es war ziemlich überraschend, dass Wieth-Racing die beiden deutschen FIA-GT-Heimrennen in Hockenheim und Oschersleben nicht wahrgenommen hat. Mit der Unterstützung meiner langjährigen Partner LuK und Dunlop bin ich dann als dritter Fahrer im Team des Engländers Graham Nash untergekommen, der einen wunderschönen amerikanischen Saleen S7R einsetzt. Ohne auch nur einen Testkilometer konnte ich mich in Hockenheim sofort für den fünften Startplatz qualifizieren. In Oschersleben fehlten lächerliche vier tausendstel Sekunden, und wir hätten sogar in der ersten Startreihe gestanden. Das war enorm wichtig fürs Selbstvertrauen. Nun ja, zählbare Ergebnisse kann ich leider dennoch nicht vorweisen. Als ich in Hockenheim nach den beiden Italienern Ruberti und Lancieri ins Lenkrad greifen sollte, war der Saleen auf Grund eines Radaufhängungsbruches nicht mehr am Leben. Oschersleben war besonders bitter. Zwei Drittel des Rennens lagen wir immer an zweiter oder an dritter Stelle. Dann ist ein Boxenstopp kräftig in die Hose gegangen, und nachdem Jamie Wall den Speed nicht hatte richtig mitgehen können und vergaß, eine zusätzliche Benzinpumpe zu aktivieren, erfolgte auch noch der Totalausfall. Da hat man mal nach ewigen Zeiten ein schnelles Auto und steht am Ende doch mit leeren Händen da!
NNP: Dafür ist es doch für Sie beim Sportauto-Tuner-GP optimal gelaufen oder?
Kaufmann: Porsche-Veredler Uwe Gemballa stellte mir in Hockenheim einen top vorbereiteten Porsche-GTR 650 zur Verfügung. Die Voraussetzungen waren somit perfekt, und nach all den Widrigkeiten in 2004 wollte ich den Tuner-GP unbedingt zum vierten Mal gewinnen. Das ist mir dann auch eindrucksvoll gelungen. Der Sieg in der GT-Klasse war gleichbedeutend mit dem Gesamtsieg. In der offenen Klasse habe ich mit einem modifizierten Donkervoort D 8 und dem Gemballa-Porsche sogar einen Doppelsieg feiern können. Ich bin somit auch die beiden schnellsten Runden gefahren und war absolut happy. Ein Gefühl, das mir schon fast abhanden gekommen ist. Eine perfekte Runde auf einem Auto mit 600 und mehr PS in der Kombination mit profilierten Straßenreifen ist eine echte Herausforderung. Bekommt man es auf die Reihe, und man ist schneller als die Gegner, dann ist die Genugtuung groß!
NNP: Abschlussfrage: Glauben Sie eigentlich noch an eine bessere persönliche motorsportliche Zukunft?
Kaufmann: Man wird halt permanent mit den unterschiedlichsten Schwierigkeiten im Motorsport konfrontiert. Die Saison 2004 ging schon über das normale Maß weit hinaus. Aber je mehr ich in die Ecke gedrängt werde, umso bissiger und gefährlicher werde ich. Mein Blick richtet sich jedoch immer grundsätzlich nach vorn. Und da sehe ich enorme Herausforderungen vor mir, die mich echt motivieren. Siehe zum Beispiel das angesprochene A:Level Engineering-Projekt mit dem Turbo-Porsche, in dem trotz Anfangsschwierigkeiten wirklich ein enormes Potenzial steckt. Ich bin mal gespannt, welche Überraschungen die Reglementhüter noch für uns parat halten!


