Presse
16.05.05 Glücks- und Fehlgriffe - Wolfgang Kaufmann im Aufwind:
Rang 2 beim Tuner-GP und erster Podiumsplatz in der FIA-GT
Das erste Drittel der Rennsportsaison 2005 verlief für den Molsberger Rennfahrer Wolfgang Kaufmann etwas harzig.
Ausfälle gab es mit dem Turbo-Porsche von A:Level-Engineering beim LMES-Auftakt im belgischen Spa-Francorchamps und beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring mit einem Mamerow-Porsche 996 GT3-RSR. Dann ging es langsam, aber stetig bergauf. Rang 5 bei einem Lauf zur tschechischen Langstreckenstreckenmeisterschaft auf einem Renauer-Porsche 996 GT3-RS mit den Co-Piloten Manfred Jurazs und Petr Valek (Cz). Mit dem gleichen Fahrzeug und erneut mit dem Wiener Jurazs gelang ihm die gleiche Platzierung beim FIA-GT-Auftakt im italienischen Monza. Zwei Reifenschäden und ausgeprägte Probleme mit der Servolenkung verhinderten eine mögliche Podestplatzierung. Dieses äußerst angenehme Glücksgefühl konnte Wolfgang Kaufmann dann jedoch am vergangenen Wochenende nachholen. Nach exakt vier langen Jahren – im Mai 2001 belegte der Westerwälder mit seinem französischen Teamkollegen Stephane Ortelli auf einem Freisinger-Porsche 996 GT3-R im belgischen Zolder Rang 2 in der GT 2-Kategorie – erklomm er wieder einmal das Siegerpodest im europäischen FIA-GT-Langstreckenchampionat! Und das praktisch aus heiterem Himmel. Wer kennt in der internationalen GT-Szene das holländische Lammertink-Porsche-Team und wer kennt einen italienischen Piloten namens Luca Moro? Nicht ein Mensch, denn beim vierten diesjährigen Wertungslauf auf der Grand Prix-Strecke von Imola sollte deren erstaunliches Debüt erfolgen. „Die Zusammenarbeit ist über den Porsche-Veredler Uwe Gemballa entstanden, mit dem ich schon seit Jahren Erfolge einfahre. Luca Moro verfügt über herzlich wenig Rennerfahrung. Im holländischen Zandvoort habe ich ihn in die Geheimnisse des schnellen Fahrens eines Renn-Porsches eingeführt. Im Frühjahr haben wir ein gemeinsames Gastspiel in der nationalen belgischen Belcar-Serie abgeliefert“, erläuterte Fahrlehrer Kaufmann die Kontaktaufnahme zu einem neuen Rennstall. „Gegen die beiden werksunterstützten Gruppe M-Porsche hat man egal mit welchem Teamkollegen eh keine Schnitte. Doch Rang 3 ist mit der richtigen Strategie, einer fehlerfreien Fahrweise und etwas Rennglück durchaus machbar. Und genau das ist uns etwas unerwartet in Imola gelungen. Luca hat zwar in der Startphase einen sehenswerten Dreher hingelegt und ist zehn Minuten vor Rennende erneut kräftig durch ein Kiesbett gerodelt. Doch er war so clever, ist am Gas geblieben und konnte sich wieder befreien. Er ist mit dem dritten Platz absolut happy und auch ich bin hocherfreut. Dass das Glück einmal auf meiner Seite ist, kommt ja auch nur alle Schaltjahre einmal vor.“ Luca Moro und sein Lammertink-Team; offenbar ein Glücksgriff für unseren Protagonisten! Am Rande sei vermerkt, dass der Lammertink-Renntransporter bei der Anfahrt nach Imola wegen eines Bremsdefektes auf der Autobahn liegen blieb und man einen erkläglichen Teil des freien Trainings verpasste. Schlechtes Omen mit gutem Ausgang! Ein weiteres vorzeigbares Ergebnis errang der Westerwälder bei der diesjährigen Ausgabe des sport auto-Tuner-Grand-Prixs in Hockenheim. Der viermalige Titelträger holte auf einem Gemballa-Turbo-Porsche GTR Rang 2 in der GT-Klasse und den 3. Platz in der offenen Klasse. „Der Gesamtsieg ging an Marc Basseng in einem Car Graphic-Porsche. Das ist nicht nach meinem Geschmack. Wir waren eigentlich in der Favoritenrolle und hatten uns auch gewissenhaft vorbereitet. Bei den Tests waren wir immer sauschnell und absolut konkurrenzfähig. Doch dann erfolgte der Fehlgriff in die Reifenkiste. Wir haben einen komplett neuen Satz Michelin-Straßenreifen aufziehen lassen. Unser Pech war, dass es dann während der gesamten Veranstaltung geregnet hat. In der halben Stunde habe ich die Pneus absolut nicht auf Betriebstemperatur bekommen. Es war nervtötend. Null Grip. Heftiges Untersteuern am Kurveneingang und brutales Übersteuern am Ausgang. Der Gemballa-Porsche verfügt über annähernd 700 PS. Selbst auf den Geraden hatte ich im fünften Gang (!) noch durchdrehende Räder!! Im Trockenen hätten wir die Jungs gnadenlos zersägt, aber unter den nassen Witterungsumständen wäre es cleverer gewesen, einen gebrauchten Reifensatz zu verwenden“, analysierte Wolfgang Kaufmann leicht zerknirscht das alljährliche Highlight der deutschen Tuning-Szene. Zweimal Glück hintereinander für den Molsberger. Wo kommen wir denn da hin. Wir wollen es mal nicht übertreiben!
Emerson W. Dilcher


