Presse

22.05.04 Kaufmann hinterlässt kräftige Duftnote

 

Molsberger fährt zuvor erfolgloses Fahrzeug auf die fünfte Startposition - Kein Renn-Kilometer


HOCKENHEIM. Dem Molsberger Rennfahrer Wolfgang Kaufmann blieb zwar beim vierten FIA-GT-WM-Lauf auf dem Hockenheim-Ring in der Konkurrenz das Pech treu, doch immerhin hatte der Westerwälder zuvor in der Qualifikation seine Klasse mit einem Paukenschlag unter Beweis gestellt.

Im vergangenen Jahr konnte Kaufmann auf einem Wieth-Ferarri 500 Maranello im internationalen FIA-GT-Championat keinerlei sportliche Lorbeeren erringen. Ging damals schon herzlich wenig, so geht heute überhaupt nichts.

Die Wieth-Truppe hat ihren Ferrari in der Zwischensaison verschlimmbessert. Sowohl im spanischen Valencia als auch in Magny-Cours (Frankreich) fehlten dem Ex-Formel3-Piloten satte 4,5 bis 5 Sekunden auf die trainingsbestzeit- ein unfassbarer Rückstand! Wieth-Racing glänzte nun beim Heimspiel in Hockenheim durch Abwesenheit, da man es vorzog, mit zwei französischen Piloten bei einem zeitgleichen Lauf zur französischen GT-Meisterschaft anzutanzen.

Eine Fügung des Schicksals? Mit Dunlop-, Luk- und Castrol-Unterstützung gelang es dem Molsberger, den dritten Platz im Saleen S7R des englischen Rennstallbesitzers Graham Nash zu ergattern. Doch Vorsicht! In der großen GT-Klasse hatten bis dato immerhin elf verschiedene Teams Meisterschaftspunkte ergattert. Wieth-Racing und Graham Nash Motorsport gehören nicht dazu.

Nach der Qualifikation fielen jedoch einigen selbst ernannten Fachleuten und Intimkennern der Szene die Kinnladen regelrecht aus dem Gesicht. Praktisch aus dem Stehgreif stellte Wolfgang Kaufmann den Nash-Saleen auf den sensationellen fünften Startplatz – eine Startposition, die der Nash Truppe bisher gänzlich unbekannt war. Der Zeitrückstand auf den Trainingsschnellsten, den Österreicher Walter Lechner jr. im Konrad-Saleen betrug lediglich 0,744 Sekunden. „Ich bin im freien Training keine 20 Runden gefahren und habe das Auto zuvor keinen Meter getestet“, erzählte Kaufmann. „Die beiden italienischen Stammpiloten Ruberti und Lancieri haben die Abstimmung des Fahrzeuges festgelegt. Sie war nicht nach meinem Geschmack. Ich bin komplett neu im Team und habe mich schweren Herzens zurückgehalten. Die Jungs bringen eine Menge Kohle mit, da muss ich mich noch etwas bedeckt halten. Der Saleen war speziell in mittelschweren Kurven auf der Hinterachse reichlich nervös und besaß zu wenig Traktion. Aber ich bin glücklich. Endlich ein Auto, mit dem ich fahre, und nicht eines, das mit mir fährt. Ich freue mich aufs rennen“, konnte Kaufmann endlich wieder einmal frohlocken.

Der geschätzten Leserschaft sei eines gesagt. Mit einem Konrad-Saleen würde Wolfgang Kaufmann in der ersten Startreihe stehen. Kein Hirngespinst des Autors, denn letztjährige Testfahrten in Spa-Francorchamps im Konrad-Saleen haben gezeigt, dass Walter Lechner jr. keinen Deut schneller ist.

Der Frust hat Kaufmann im Rennen jedoch schnell wieder eingeholt. Denn er fuhr nicht einen Meter! Paolo Ruberti fing sich im Startturn einen heftigen Bremsplatten ein. Die damit verbundenen Vibrationen bekamen einem Anlenkpunkt eines Dreieckslenkers der Hinterrad-Aufhängung nicht. Und der zweite Pilot Lancieri ließ den Nash-Saleen auf freier Strecke – just drei Minuten, bevor Kaufmann ins Lenkrad greifen wollte – ausrollen. Wieder ein greifbares Ergebnis für den Pechvogel, der jedoch eine kräftige Duftnote hinterlassen hatte.

Es verbleibt nun die spannende Frage: Sehen wir beim 5. FIA-GT-Lauf im tschechischen Brünn an Pfingsten Wolfgang Kaufmann nun in einem Wieth-Ferarri oder eventuell in dem amerikanischen Supersportwagen?

 

Emerson W. Dilcher