Presse
26.02.04 „Ohne üppige Sponsoren geht da im Moment nichts"
Rennfahrer Wolfgang Kaufmann über seine Ambitionen, Weggefährten und gescheiterte Vertragsverhandlungen
MOLSBERG. Der Molsberger Rennfahrer Wolfgang Kaufmann plaudert mit unserem Mitarbeiter Emerson W. Dilcher wieder einmal aus dem Motorsport-Nähkästchen.
NNP:Während der letzten beiden Winter waren Sie im sehr engen Kontakt mit Lehmann Sport, die als Neueinsteiger im FIA-GT-Championat eine Chrysler Viper einsetzen wollten. Was ist daraus geworden?
KAUFMANN:Walter Lehmann jr. wollte mit seinem Team zu Beginn der Saison 2002 in die FIA-GT-Meisterschaft einsteigen und auf mich als Teamführer zurückgreifen. Dann ist der Einstieg verschoben worden, schließlich ist gar nichts zustande gekommen. Wieso, müsste man Walter Lehmann selbst fragen. Es ist schon reichlich kurios. Ein Großteil des Equipments habe ich vor Ort selbst gesehen. Es war eigentlich alles sehr vielversprechend. Nur ein einsetzbares Rennauto konnte ich nicht erblicken. Die Saison 2002 war somit für mich verkorkst, da ich mich auf das Viper-Projekt versteift hatte und andere interessante Angebote nicht mehr wahrnehmen konnte. Im Winter 02/03 haben wir dann wiederum sehr intensive Gespräche geführt. Dummerweise mit dem selben Ergebnis. Letztendlich sind es neben finanziellen wohl auch familiäre Gründe, warum die Lehmänner nie ins Rollen gekommen sind.
NNP:Neben dieser Geschichte haben Sie noch Gespräche mit dem belgischen PSI- Team, dem österreichischen Rennstallbesitzer Sepp Renauer und dem Spanier Paco Orti geführt, der Ihnen 2001 zum Sieg im Porsche World Cup verholfen hat.
KAUFMANN:Tja, Paco Orti ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. 2002 haben wir mit seinem Porsche 911 GT 3 noch das eine oder andere Rennen miteinander bestritten. Danach ist es leider auseinander gegangen, denn Paco hat im letzten Jahr mit einem Mitsubishi die nationale spanische Rallyemeisterschaft bestritten. Bei seinen Rundstrecken-Aktivitäten hatte er mit dem Einsatz seiner eigenen Fahrzeuge eine Menge am Hals und auch viel Geld ausgegeben. Auch in der Angelegenheit mit PSI ist es ruhiger geworden, obwohl mich ein Porsche Turbo jederzeit reizt. Die Belgier haben in den letzten beiden Jahren die französische GT-Meisterschaft bestritten. Das ist momentan nicht unbedingt meine Zielrichtung. Außerdem sitzen in dem Auto ein Franzose und ein Finne, der das Geld mitbringt. Ohne üppige Sponsoren geht da im Moment nichts.
NNP:Apropos französische GT-Meisterschaft. Was macht eigentlich Ihr früherer Teamchef Cyril Chäteau?
KAUFMANN: An ihn habe ich sehr nette Erinnerungen. Schließlich haben er und sein Team mir zum Titelgewinn im Porsche World Cup verholfen. Außerdem hat das Fahrergespann Chäteau/ Kaufmann/Lance Stewart auf einem Freisinger-Porsche 911 GT 3 in jenem Jahr von Startplatz 57 kommend den dritten Podestplatz bei den 24 Stunden von Daytona/USA geholt. Den armen Cyril hat die wirtschaftliche Rezession voll erwischt.
NNP:Was ist mit Sepp Renauer?
KAUFMANN:Wir arbeiten nun seit 2001 zunehmend enger zusammen. Es handelt sich dabei um ein kleines, aber sehr effizientes Familienuntemehmen. Wir sind einige Sportwagenrennen zusammen gefahren. Das Ziel von Renauer Motorsport ist es, erfolgreiche Rennen in den Sportwagen- und Sportprototypen-Kategorien zu bestreiten. Das deckt sich mit meinen Ambitionen. In der Langstreckenszene werden ja die traditionsreichen 1000 Kilometer-Rennen wiederbelebt. In meinen Augen eine prima Sache. Renauer Motorsport und Wolfgang Kaufmann werden bei der Neuauflage im Jahre 2004 dabei sein. Meine Teamkollegen sind die Österreicher Gottfried Grasser und Manfred Jurazs. Manfred Jurazs kenne ich noch aus der Formel 3-Zeit. Er war damals Mitbesitzer von Vienna Racing. Außerdem saß er in Le Mans in dem zweiten Freisinger-Porsche.



